Analyse und Vorausberechnung regionaler Einkommensdisparitäten


Die Entwicklung der Bruttolohn- und Gehaltssumme wird vor allem vom Lohnwachstum und der Entwicklung des Beschäftigungsvolumens bestimmt. Insofern ist dies ein idealer und zielführender Indikator zur Aufdeckung von Potentialgewinnen und Strukturproblemen, weil er auch die Rückkopplung von Arbeitsplätzen und Einkommenskraft "einfängt".

Gerade strukturschwache Regionen sind dadurch gekennzeichnet, dass ein größerer Teil der Arbeitnehmer nicht das ganze Jahr über beschäftigt ist und dass oft in befristeten oder nicht dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen weniger pro Tag und Stun-de verdient wird als in ganzjähriger Beschäftigung. Mit der Erfassung von ganzjährigen und kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen wird die tatsächliche regionale Einkommenssituation in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung abgebildet. Mit dem Jahreszeitraummaterial kann jedes einzelne Beschäftigungsverhältnis und damit auch die Summe aller Verdienste eindeutig einem Betrieb und damit einer Region (Arbeitsort) zugewiesen werden.

STASA besitzt einen Schwerpunkt im Bereich Analyse und Prognose regionaler Entwicklungen. So wurde in Ge-meinschaftsarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg, ein Analyse- und Vorausberechnungsmodell für die regionale Entwicklung auf kleinräumiger Ebene erstellt. In einem bottom-up Ansatz (IAB-STASA-Modell), lässt sich die regionale Entwicklung der Bruttolohn- und Gehaltssummen auf regionale Veränderungen des Beschäftigungsvolumens und der zugehörigen regionalen Einkommensverteilung und Lohnstruktur zurückführen. Damit lassen sich regionale Disparitäten abbilden und mittels Szenarientechnik die Auswirkungen unterschiedlicher politischer Maßnahmen analysieren und vorausberechnen.

Die Berechnung der regionalen Einkommen (Bruttolohn- und Gehaltssummen) auf Kreisebene erfolgt in mehreren Arbeitsschritten:

  • Modellierung und Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung auf Ebene der Kreise auf der Basis eines verhaltensorientierten Migrationsmodells.
  • Auf Grundlage der regionalen demographischen Struktur errechnet sich die Zahl der erwerbsfähigen Personen (Altersgruppe der Personen zwischen 15 und 65 Jahren).
  • Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort (Vollzeit + Teilzeit) wird aus der Zahl der erwerbsfähigen Personen am Wohnort mittels des Anteils der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort (Beschäftigungsquote) gewonnen.
  • Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort wird durch Berücksichtigung der Pendlerverflechtung aus der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort berechnet.
  • Die Zahl der Beschäftigungsfälle ihrerseits leitet sich aus der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ab, multipliziert mit der Anzahl an Jobs pro Beschäftigtem.
  • Das regionale Beschäftigungsvolumen (gemessen in Arbeitstagen) ergibt sich über die Zahl der Beschäftigungsfälle multipliziert mit dem Faktor Tage Beschäftigung pro Beschäftigungsfall.
  • Die Bruttolohn- und Gehaltssumme ergibt sich aus dem Beschäftigungsvolumen, gemessen in Arbeitstagen und dem regional gemittelten Lohn pro Tag.

Der Bruttojahreslohn pro Beschäftigtem wird aus dem Jahreszeitraummaterial der Bundesagentur für Arbeit (BA) gewonnen. Erfasst werden so rd. 34 Mio. Personen mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, d.h. alle Arbeitnehmer, die irgendwann einmal im Laufe eines Jahres eine, in manchen Fällen auch nur kurzfristige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hatten. Diese Zahl ist höher als die Zahl der Personen zu einem Stichtag oder im Jahresdurchschnitt. Damit kann das Gesamtbild aller Bruttolöhne und Bruttogehälter in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung abgebildet werden und nicht nur die Struktur an einem Stichtag.

Da sich die Zahl der Einwohner einer Region über Wanderungen und demographische Effekte verändert, die Wanderungen ihrerseits unter anderem von Faktoren beeinflusst werden, die dem Arbeitsmarkt und dem Wohnungsmarkt zugerechnet werden können, besteht eine starke Vernetzung zwischen regionaler Entwicklung und Angebot und Nachfrage nach Beschäftigung.

Die sozialversicherungspflichtigen Einkommen werden am Arbeitsort erwirtschaftet. Befinden sich für einen Beschäftigten Arbeitsort und Wohnort in verschiedenen Kreisen, so findet ein Einkommenstransfer statt. Über eine Bilanzierung von Einpendlern in einen Kreis und Auspendlern in andere Kreise, unter Berücksichtigung der Bruttolöhne pro Beschäftigtem der jeweiligen Kreise lassen sich die Einkommenstransfers für die einzelnen Kreise abschätzen.

Deutlich zeigen sich die mit den Pendlerströmen verbundenen Einkommenstransfers. Insbesondere die Stadtkreise wirken durch ihre hohe Konzentration an Arbeitsplätzen fokussierend auf die Pendlerströme. Verbunden damit ergeben sich in der Bilanz der Einkommenstransfers zum Teil hohe Verluste für die Stadtkreise. Dies gilt insbesondere für die Landeshauptstadt Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg, Ulm und Freiburg.